
Bevor ich die selbsternannten Experten auf den Plan rufe, sei eines vorausgeschickt: Ich schreibe hier aus der Perspektive eines na ja sagen wir mal „fortgeschrittenen Laien“. Und genau für solche Leute wie mich ist dieser Artikel auch gedacht. Wir sind Menschen, die KI sowohl auf privater als auch auf beruflicher Ebene nutzen, aber eben nur low level – ganz ohne Allmachtsfantasien.
Angefangen hat es mit einem harmlosen LinkedIn-Post. Ich wollte ein Verb finden, das als KI-Pendant zum Googeln funktioniert.
Die vielen Kommentare haben mir gezeigt, dass die Meinungen darüber, was wir mit der KI machen und was sie mit uns macht, sehr stark auseinandergehen. Die Kommentatoren lassen sich grob in vier Lager einteilen:
Die KI-Kreativen sind nah an der Aufgabenstellung geblieben und haben sich verspielte Begriffe mit dem Wortbestandteil KI oder AI ausgedacht: kionieren, ki-inspirieren, ailen, kaihen, kinerieren, kaiken, kakieken, airen, kikirikien, kigelen, kienen, kistelen, kieseln, kiggen, kiisieren, kiieren, ailen und (mein persönlicher Favorit) kieken. Es kamen aber auch Ideen, die etwas ausgefeilter waren: zum Beispiel artifizieren und generieren.
Die KI-Kritischen haben Begriffe mit negativer Konnotation ausgewählt: killen, kiraten, sloppen, rumaiern, krähen, andödeln. Oder gleich neue Redewendungen geschaffen: die Würfelmaschine anwerfen, das Grafikkarten-Orakel befragen, einen Fehler machen, mal kurz für kleine KI-Junkies gehen, das Denken auslagern. Bemerkenswert ist, dass davon einige das Stichwort AI oder KI in ihrem Profil stehen haben.
Die KI-Praktiker sehen die KI als Partner: Sie „clauden“, „fragen chatty“, „fragen ihr Team“ oder „socializen“.
Die KI-Pragmatiker gehen davon aus, dass es bei „googeln“ bleiben wird, weil Google ja bereits KI-Antworten liefert. Oder sie finden, dass man es bei einem ganz ordinären „fragen“ belassen sollte.
Ich habe unter den vielen Vorschlägen vier ausgewählt: kiegeln, kieken, ailen und fragen. So haben leider nur die Kreativen und die Pragmatiker eine Chance bekommen und nicht die Kritiker und die Praktiker. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, dass ich einen Artikel schreiben werde, hätte ich für jede Gruppe einen Vertreter ins Rennen geschickt.
Einige der Kommentatoren haben mich missverstanden. Ich hatte explizit nach einem KI-Pendant zu „googeln“ gesucht. Sie dachten aber an die großen Möglichkeiten der KI, nicht an ganz banale Fragen wie „Wie bekomme ich Rotweinflecken aus der Kleidung?“ oder „Warum ist mein WhatsApp-Chat auf einmal weiß?“. Vielleicht nutzen einige nicht ChatGPT & Co. für Fragen dieser Art. Aber ich habe inzwischen öfter einen KI-Tab geöffnet als die Google-Suche. Und wenn es nur eine Handvoll wäre, die die KI zum „Googeln“ missbraucht, dann gäbe es keine Notwendigkeit für Generative Engine Optimization (GEO) – also Strategien, damit Inhalte von KI-Suchsystemen gefunden und zitiert werden.
Was ich allenthalben feststelle: Sehr viele von uns sind mit dem atemberaubenden Tempo des KI-Wachstums überfordert. Wir Textarbeiter haben uns schon damit abgefunden, dass die KI uns mächtige Knüppel zwischen die Beine wirft. Aber selbst Berufsfelder, die sich bis vor Kurzem in ihrem Elfenbeinturm absolut sicher wähnten – wie zum Beispiel Wissenschaftler – bekommen auf einmal Muffensausen. Die meisten „aiern“ rum zwischen Faszination, Verachtung und Panik. Was davon ist denn nun Hype oder Blase oder vielleicht sogar Utopie? Welche Ängste sind begründet und welche nicht?
Ich glaube keinem, der diese Entwicklung scheinbar tiefenentspannt verfolgt. Aber ich gehöre auch nicht zu denjenigen, die die KI verteufeln (sonst wäre ich ja jetzt schon in der Hölle). Trotzdem würde ich mir wünschen, dass alles etwas langsamer ginge, damit ich wenigstens einigermaßen Schritt halten kann. Ich fühle mich in die Zeit der ersten Eisenbahn versetzt, als die Leute dachten, dass die horrende Geschwindigkeit von bis zu 24 km/h einen in den Irrsinn treibt. Heute erreicht ein stinknormaler ICE Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h (von Raketenschlitten ganz zu schweigen). Nur hat diese Entwicklung 200 Jahre gedauert.
Als „Frühbetroffene“ habe ich schnell erkannt, dass Widerstand zwecklos ist. Zunächst einmal beschäftigte ich mich nur mit der KI, um meinen Kunden erklären zu können, warum ich besser bin. Dann versuchte ich, sie in meinen Arbeitsalltag zu integrieren. Mit schwankendem Erfolg und unerwünschten Nebenwirkungen. Während sie für Konzeption und Recherche sehr hilfreich sein kann, hat sie fürs Schreiben eher einen negativen Effekt. Sie verschleift jeden Charme und jede Individualität, bis nur noch ein Einheitsbrei übrigbleibt. Sehr oft habe ich viel Zeit darauf verschwendet, einem KI-Text ein bisschen Leben einzuhauchen, um ihn dann irgendwann frustriert über Bord zu werfen und selbst einen neuen Text zu schreiben. Und auch bei Konzeption und Recherche lauern Gefahren: Bei ersterer kann man sich heillos verzetteln, bei letzterer völlig aufs Glatteis begeben. Ich muss für mich noch herausfinden, wie ich die KI so einsetze, dass sie mir wirklich Zeit spart, mein Hirn nicht veröden lässt und meinen Schreibstil nicht „killt“.
Dass man den Antworten einer KI keinesfalls trauen darf, habe ich erst kürzlich wieder erlebt: Ich hatte ausnahmsweise Google nach Erfahrungen zu einem bestimmten Goldankäufer gefragt. Gemini mischte sich mal wieder ungefragt ein und schwärmte in höchsten Tönen von der Seriosität und Verlässlichkeit des Anbieters. Ein Blick in die Suchergebnisse förderte aber etwas ganz anderes zutage: Hier war ausschließlich von sehr negativen Erfahrungen bis hin zu Betrugsverdacht die Rede. Ganz offensichtlich hatte Gemini die Informationen nur von der Website des Goldankäufers gezogen. Darum sollte man KI-Antworten niemals ungeprüft glauben. Das kann nicht nur in die Hose gehen, sondern auch ganz schön ins Geld.
Während ich diesen Artikel geschrieben habe, ist meine Stichwahl weitergelaufen und nun ist sie beendet. Das kreative „Kieken“ und das konservative „Fragen“ sind die klaren Favoriten und haben gleich viel Stimmen bekommen. Ich bin gespannt, ob einer der Begriffe „Google-Niveau“ erreicht oder ob noch ein komplett neues Verb auftaucht. ChatGPT hätte das Potenzial gehabt, ein Google-Pendant zu werden. Aber der Name war schon immer sperrig und unsexy und wer will schon „ChatGPTen“ sagen?

Diesen Satz habe ich schon oft in meinen Kunden-Interviews gehört. Es überrascht mich immer wieder, wie wenig Interesse die Leute ihrer Person oder ihrem Spezialgebiet zutrauen. Sie denken, dass alles, was für sie alltäglich ist, andere langweilen könnte. Dabei sind es die scheinbar banalen Dinge, die aus einer nüchternen Beschreibung eine lebendige Geschichte machen.
Bei einem festen Fragenkatalog à la Briefing hingegen wird jegliche Spontanität im Keim erstickt. Was soll schon Überraschendes kommen, wenn man Punkt für Punkt seine Liste abarbeitet – am besten noch schriftlich? Das ist eine lästige Pflicht, die man am liebsten schnell hinter sich bringt. Doch bei einem entspannten Gespräch mit einem aufmerksamen Zuhörer öffnen sich die Menschen.
Ich gehe nicht mit vorgefertigten Fragen in meine Interviews, sondern lasse die Person reden. Sobald ich etwas Spannendes herausgehört habe, hake ich nach. Mir geht es um Details, die nicht auf der Website oder in einer Broschüre stehen. Denn Fakten zusammentragen, das kann jeder. Interessant ist, was nur in den Köpfen der Menschen steckt und noch nirgendwo niedergeschrieben ist – und genau das ist mein Material.
Natürlich kann man nicht einfach schweigend dasitzen, in der Hoffnung, dass schon irgendwann das Richtige kommt. Man muss seinem Gegenüber zeigen, dass man neugierig ist – aber vor allem, dass man sich für seinen Bereich begeistern kann. Es erstaunt mich immer wieder, welche Themen mich auf einmal faszinieren können. Darum muss ich auch nie Interesse vorheucheln. Es kommt von ganz allein.
Spürt der Interview-Partner diese echte Begeisterung, beginnt er aufzutauen. Er schaut nicht krampfhaft auf die Uhr, wann das Gespräch endlich beendet ist. Ganz im Gegenteil: Ich erlebe immer wieder, dass selbst Menschen, deren Zeit knapp ist, gar nicht mehr aufhören wollen zu reden. Dennoch muss ich sie unterbrechen, weil ich meist schon mehr schönes Material habe, als ich überhaupt verwenden kann.
Genau das ist die Kunst: Aus der Transkription eines Gesprächs von bis zu einer Stunde oder länger die Rosinen herauszupicken, die sich zu einer in sich stimmigen, kurzweiligen Geschichte verdichten lassen. Dafür muss ich das Aufgezeichnete viele Male durchgehen, Unwichtiges streichen und Interessantes in eine ansprechende und logisch aufgebaute Form bringen.
Wenn das Erzählte nicht als Artikel, sondern als Interview erscheinen soll, muss oft die Reihenfolge verändert werden. Die Gespräche sind selten linear, weil das Gegenüber gedanklich hin und her springt – nicht nur thematisch, sondern auch chronologisch. Dann braucht es fließende Übergänge, die so klingen, als wäre die Unterhaltung genau so abgelaufen.
Mir ist auch wichtig, dass das Gesagte nicht zu sehr glattgezogen wird. Natürlich eliminiere ich Grammatikfehler oder abgebrochene Sätze. Aber Dialektwörter oder ungewöhnliche Ausdrucksweisen lasse ich stehen, da sie authentisch und sympathisch wirken. Daran erkennt der Leser, dass es sich nicht um ein fingiertes Interview, sondern um ein echtes Gespräch zwischen zwei realen Personen handelt. Solche Texte haben Aussagekraft und Inhalt – und sind unkopierbar.
Wenn ich dann von meinem Gesprächspartner eine begeisterte Rückmeldung bekomme, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.
Foto von Greg Rosenke auf Unsplash

Vor kurzem habe ich auf meinem Rechner eine alte Datei namens „Anfangen“ wiederentdeckt. Wie so viele Male in den letzten 14 Jahren. Doch diesmal habe ich nicht einfach drübergescrollt, sondern sie geöffnet. Todesmutig! Denn in diesem Dokument steckt nicht weniger als ein angefangenes Buch. Will heißen von mir verfasst.
Warum mich das Öffnen so viel Mut gekostet hat? Weil darin meine nackige, verwundbare Seele liegt.
Wie so viele (oder alle?) Texter habe ich lange davon geträumt, Schriftsteller zu werden. Und ich habe auch einen Versuch gestartet. Nämlich genau diesen, der noch immer in meinem Ordner „Privat“ vor sich hindümpelt. Genauso wie das handgeschriebene Manuskript an wechselnden Orten vor sich hinbleicht. Ein ziemlicher Packen für ein abgebrochenes Projekt.
87 Seiten sind es in Word. Aber das ist nur der Teil, den ich eingetippt habe. Im Manuskript steht noch mehr – mittlerweile vermutlich kaum noch lesbar.
Irgendwann während des Schreibens haben mich die Zweifel gepackt. Es gibt doch schon so viele mittelmäßige Bücher, braucht es da wirklich noch eins von dir?
Ob mein „Anfangen“ gut ist oder nicht – diese Frage wird sich niemals objektiv klären lassen. Denn niemand hat diese Seiten bisher gelesen. Nicht einmal ich selbst. Bis zu jenem todesmutigen Moment.
Ich war schon darauf eingestellt, dass ich selbst vor Scham erröte über den Unsinn, den ich vor 14 Jahren geschrieben habe. Wie ich hastig die Datei schließe und froh bin, dass ich diesen Schwachsinn niemand gezeigt habe.
Aber dann fing ich an zu lesen und war fasziniert. Ich wusste ja selbst nicht mehr, was in meinem „Buch“ passiert. Denn es war noch sehr roh – ein buntes Sammelsurium von Geschichten, die ich irgendwann zu einer zusammenfügen wollte.
Falls ihr jetzt denkt, dass ihr mich dazu ermutigen sollt, mein Werk fertigzubringen und es zu veröffentlichen – Fehlanzeige. Es soll genau da bleiben, wo es ist. Ich werde es nicht löschen und nicht wegwerfen. Aber lesen wird es trotzdem niemand. Das bleibt mein süßes Geheimnis.

Ich habe neulich schon einmal dazu auf LinkedIn gepostet, aber das Thema lässt mich nicht los. Es geht um Effizienz. Bisher war Effizienz etwas, das ich eher mit Maschinen und Prozessen in Verbindung gebracht habe, aber nie mit meiner Arbeit. Seit dem Siegeszug der KI sprechen alle davon, wie viel effizienter sie uns angeblich macht. Weil wir nur noch die Dinge tun müssen, die sie nicht übernehmen kann. Alle lästigen Routinetätigkeiten drum herum: einfach weg. Was bleibt, ist nur der kreative Teil.
Irgendwie hat mir der Effizienzgedanke von Anfang an Bauchschmerzen bereitet. Dieser Widerwille hat sich im Rahmen einer Fortbildung noch verstärkt. Denn dort wurde propagiert, dass man möglichst alles automatisieren oder auslagern sollte, was viel Aufwand bedeutet, aber wenig bringt. Bei der Vorstellung, nur noch automatisierte E-Mails zu versenden, um keine Zeit für persönliche Nachrichten zu verschwenden, wurde mir bewusst: Ich will das nicht. Mag sein, dass ich mir mit jeder automatisierten Nachricht zwischen 5 und 20 Minuten spare. Aber ich möchte jede Mail einzeln schreiben und verschicken. Und wenn sie noch so unwichtig ist.
Wo es mir schon beim Schreiben von E-Mails so geht, wird klar, dass es beim Texten noch viel schlimmer sein muss. Ich kann mir zwar per Prompt und Enter einen seitenlangen Text erstellen lassen. Viele werden nicht einmal bemerken, dass dieser KI-generiert ist. Aber ich spüre es mit jeder Faser. Mich irritiert jede Formulierung, die ich nicht verwendet hätte. Mich juckt jede Wiederholung. Mich nervt jede Plattitüde und jede Worthülse.
Es ist einfach nicht mein Text. Ich kann noch so lange daran herumschleifen, um ihn mehr nach mir klingen zu lassen, aber so ganz gelingt das nie. Nun stellt sich die Frage, wie viel Sinn es macht, KI zu verwenden, wenn ich nachher selbst noch so viel Hand anlegen muss – womit wir wieder beim Thema Effizienz wären …
Aber jetzt bin ich ganz ineffizient abgeschweift. Denn KI sollte gar nicht das Thema dieses Artikels sein. Eigentlich wollte ich erklären, was mir an der Effizienz so sehr missfällt.
Ich habe lange darüber nachgedacht, was es sein könnte. Logisch betrachtet ist es ja dumm, nicht effizient zu arbeiten. Trotzdem ist es mir lieber. Und ich weiß jetzt auch warum: Wenn ich etwas effizient mache, dann heißt das, dass ich möglichst schnell fertig werden will, damit ich Zeit für etwas anderes habe. Aber mir macht es Spaß zu schreiben und ich möchte mich nicht hetzen, nur um mich danach etwas anderem widmen zu können.
In meinen Augen ist Effizienz etwas für Leute, die ihre Arbeit nicht mögen. Denn wenn ich mit etwas möglichst schnell fertig sein will, dann ist es ja etwas, das mir mühsam und lästig ist und ich froh bin, wenn es endlich vorbei ist. Doch das ist bei mir ganz anders.
Ich liebe es, ganz ineffizient vor mich hinzuarbeiten. Ich lasse keinen Stoßseufzer, wenn ich abends mein Werk getan habe und endlich meinen Rechner ausschalten kann (tatsächlich schalte ich meinen Rechner so gut wie nie aus, was aber auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben könnte).
Mein Tag ist nicht durchgetaktet. Ich arbeite, mache kurz etwas anderes, arbeite wieder, mache wieder etwas anderes … So gesehen beginnt mein Arbeitstag oft schon um 5 Uhr morgens und endet oft erst um 22 Uhr. Nur dass ich eben nicht effizient durcharbeite, meine Mittagspause mache und dann effizient bis zum Feierabend weiterarbeite. Nein, ich „verplempere“ meine Zeit – und ich fühle mich sehr wohl dabei und damit.
In einer Festanstellung wäre eine solche Arbeitsweise nicht möglich. Aber als Selbständige habe ich den Luxus, meine Zeit so einzuteilen, wie ich will. Ich möchte nicht A schnell hinter mich bringen, damit ich zackig mit B anfangen kann, um dann endlich C abzuhaken.
Meine Arbeit hat keinen Anfang und kein Ende. Sogar die Wochenenden sind mir nicht heilig. Nicht, weil ich ein Workaholic bin oder chronisch überlastet. Ich möchte mir einfach die Zeit nehmen, um alles in meinem Tempo zu machen. Dafür reichen die Werktage oft nicht aus. Aber das macht nichts, weil ich mich unter der Woche ja nicht abhetze, damit ich Samstag und Sonntag dann endlich Freizeit habe. Oder am besten noch nur vier Tage die Woche arbeite, damit ich mich an den restlichen drei Tagen von meiner Arbeit erholen kann.
Ich schreibe für mein Leben gern. Ich muss mich nicht einige Tage ausruhen, damit ich wieder Lust und Energie habe, etwas zu texten.
Vielleicht habe ich einfach nur Glück gehabt, dass ich eine Arbeit gefunden habe, die mir wirklich Spaß macht. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine Einstellungssache ist. Spontan ist mir das Wort „Achtsamkeit“ eingefallen. Ich mag es ja eigentlich nicht so gerne, weil es so lange in aller Munde war, dass es jetzt wirklich ausgelutscht ist. Aber es trifft eigentlich sehr schön das, was ich mache: achtsam texten.
Foto von Dorota Dylka auf Unsplash

Kürzlich musste ich wieder auf Portalen wie ImmoScout24 und Immowelt nach einer Wohnung suchen. Dass viele Angebote längst vergeben sind, wenn man endlich auf den Link in der Benachrichtigung klickt – geschenkt. Was mich diesmal wirklich überrascht hat: die schiere Menge an zweifelhaften Inseraten. Fake-Angebote bei der Wohnungssuche sind keine Seltenheit mehr – nicht nur überteuert, sondern tatsächlich verdächtig.
Ich habe den Eindruck, dass Fake-Angebote auf den bekannten Portalen zunehmen. Ihr Zweck: Wohnungssuchende sollen persönliche Daten herausrücken oder direkt Geld überweisen. Die Portale greifen meist erst ein, wenn jemand ein Inserat meldet – manchmal ist es dann schon zu spät.
Ich schreibe das hier, weil ich selbst fast auf so einen Trick hereingefallen wäre. Zum Glück ohne finanzielle Folgen. Hätte ich mir vorher nicht zugetraut. Aber wer eine Wohnung sucht, steht unter Druck. Man reagiert schneller, liest flüchtiger, will unbedingt dabei sein. Genau darauf spekulieren Betrüger: auf Menschen in einer angespannten Lage.
Mit etwas Aufmerksamkeit kann man aber lernen, wann etwas nicht stimmt. Manche Signale sind harmlos, andere sollten dich zumindest stutzig machen.
Ein ungewöhnlich niedriger Preis ist nicht sofort verdächtig – vielleicht braucht die Wohnung Arbeit. Aber wenn die Miete weit unter dem Üblichen liegt, schadet Skepsis nicht. Auch ältere oder mehrfach erscheinende Anzeigen können vieles heißen: von mangelndem Interesse bis zur Wiederverwertung alter Fakes. „Neu eingestellt“ bedeutet nicht zwangsläufig frisch.
Wenn das Einzugsdatum in der Vergangenheit liegt, ist das oft ein Zeichen dafür, dass das Angebot schon länger im Umlauf ist. Muss kein Betrug sein, kann aber darauf hindeuten. Spärliche Informationen oder nur Außenaufnahmen sind ebenfalls nicht automatisch alarmierend, passen aber ins Bild unechter Inserate. Seriöse Vermieter geben meist mehr preis.
Bei der Kommunikation gilt: Wer spät antwortet oder dich rasch auf WhatsApp oder E-Mail locken will, verdient Vorsicht. Der Kontakt über das Portal lässt sich besser nachverfolgen und schützt dich vor Fake-Angeboten bei der Wohnungssuche.
Der klassische Anbieter „aus dem Ausland“ will meist Zahlungen ohne Besichtigung erzwingen. Faustregel: kein Geld, bevor du die Wohnung gesehen hast. Auch eine Schufa-Auskunft bereits vor dem Termin ist ungewöhnlich – die kommt normalerweise erst später ins Spiel. Reiche sie nur über sichere, offizielle Wege weiter, nie als E-Mail-Anhang.
Wenn alle Informationen schon im Portal hinterlegt sind, wirkt eine erneute Selbstauskunft seltsam. Seriöse Vermieter erklären den Grund offen – im Zweifel einfach nachfragen. Und ganz wichtig: Öffne niemals Dateien von unbekannten Websites. Solche Seiten können Schadsoftware enthalten. Seriöse Anbieter nutzen die Portal-Funktionen oder verschicken Dokumente über gesicherte Wege.
Wenn dir ein Angebot seltsam erscheint, prüfe einige grundlegende Dinge:
Bleib so lange wie möglich über das Portal in Kontakt. Gib keine sensiblen Daten weiter und zahle nichts, solange du nicht sicher bist, dass alles legitim ist.
Melde verdächtige Angebote beim Portal und bei der Polizei. Bei Geldverlust solltest du sofort die Bank informieren. Sammle Beweise wie E-Mails, Screenshots und Kontoauszüge. Bei möglichem Datenmissbrauch helfen dir Verbraucherzentrale oder Schufa weiter.
Nicht jedes merkwürdige Inserat ist automatisch Betrug – aber Vorsicht ist angebracht. Hör auf dein Bauchgefühl: Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es meistens nicht. Ich wünsche dir eine erfolgreiche und hoffentlich entspannte Wohnungssuche – und dass du an die richtigen Leute gerätst!
Foto von Rinald Rolle auf Unsplash

Plötzlich war es dunkel. Nicht nachtdunkel, sondern dunkeldunkel. Kein bisschen Licht war mehr zu sehen. Die Menschen in ihren Zellen waren irritiert. So etwas kannten sie nicht. Nur wenige hatten noch vage in Erinnerung, dass es vor Jahrzehnten so etwas gegeben hatte. Selbst erlebt hatten sie es zwar nicht, aber die Information war in ihre Gehirne eingespeist worden. Allein diese Handvoll ahnte, was geschehen war: ein Stromausfall.
Allerdings konnten sie das nicht in Worte fassen. Denn die gab es nicht mehr. Es war eher eine Art Gefühl – was ihnen aber auch fremd war. Gefühle existierten in ihrer Welt nicht mehr. Ebenso wie grundlegende Bedürfnisse. Keiner wusste mehr, was Durst oder Hunger war. Kälte oder Hitze. Der Drang, seine Blase oder seinen Darm zu entleeren. Lust auf Sex, Liebe, Geborgenheit – alles schon lange vergessen.
Es gab nichts, um das sie sich hätten kümmern müssen. Denn alles wurde befriedigt, bevor das Verlangen überhaupt aufkam. Sie bewegten sich nicht mehr. Ihre Körper wurden so stimuliert, dass die Muskeln erhalten blieben, obwohl sie sie nicht nutzten. Außerdem lebte jeder für sich. Das Bedürfnis nach menschlichem Austausch war ebenfalls verkümmert. Sie ahnten nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gab.
Jetzt, allein in der Dunkelheit in ihren Zellen, fühlten sie auf einmal etwas. Ihre Herzen begannen schneller zu schlagen und es wurde ihnen heiß, obwohl sie zugleich zitterten. Ihre Mägen waren flau. Keiner konnte das einordnen: Es war Angst. Dieses Unwohlsein, das sie nie zuvor erlebt hatten, verstärkte sich immer mehr, und etwas in ihrer Brust zog sich unangenehm zusammen.
Die Angst wurde zu Panik – was sie noch weniger verstehen konnten. Irgendein tief vergrabener Instinkt sagte ihnen jedoch, dass sie ihre Zellen verlassen mussten. Sie tasteten an den Wänden entlang, bis sie einen kleinen Spalt fanden. Verzweifelt stemmten sie sich gegen die Zellentüren und tatsächlich öffneten sich diese, weil der elektrische Schließmechanismus nicht mehr funktionierte. Mühsam krabbelten sie heraus. Alles erschien besser, als in diesem Gefängnis zu bleiben.
Außerhalb der Zellen war ein wenig Licht. Als sie sich umsahen, entdeckten sie andere Gestalten, die sich ebenfalls aus ihren Zellen kämpften. Was das für Wesen waren, wussten sie aber nicht. Verwirrt blickten sie an sich herab und verglichen ihre sichtbaren Körperteile mit denen der anderen Kreaturen. Allmählich schwante ihnen, dass sie von derselben Art waren.
Schließlich begannen die ersten, den Lichtstrahlen zu folgen. Die übrigen taten es ihnen nach – dabei vermieden sie es tunlichst, einander zu berühren. Sie strömten alle ins Freie, wo sie erst einmal innehielten. Über ihnen war ein großes Blau mit einem grellen, gelben Ball. Die Worte „Himmel“ und „Sonne“ kannten sie nicht.
Als sie dort standen, merkten sie, dass wieder etwas mit ihrem Körper geschah. Diesmal war es ein angenehmes Gefühl: Wärme. Zum ersten Mal, seit sie ihre Zellen verlassen hatten, wurde das Herzklopfen langsamer und das Zittern ließ nach. Stattdessen kitzelte es sie lustig im Bauch. Es war kein Unwohlsein. Es war Lebensfreude.
Nach wenigen Minuten jedoch begann ihre Haut zu brennen. Sie erinnerten sich, dass dies in dem großen Gebäude anders gewesen war. Also kehrten sie einer nach dem anderen dorthin zurück. Hier verschwand zwar das Brennen, es bahnte sich jedoch etwas Neues an: Ihre Lippen wurden immer trockener, ihr Mund pelzig und ihre Zungen fingen an, am Gaumen zu kleben. Sie spürten, dass ihnen etwas fehlte, dass sie irgendetwas dringend brauchten – doch was es war, wussten sie nicht.
Sie konnten ihre Augen nicht mehr fokussieren. Ihre Köpfe begannen zu wabern – so hätten sie es wohl beschrieben, hätten sie kommunizieren können. Unruhig beobachteten sie die anderen, ob es ihnen ebenso erging. Kein einziger blieb davon verschont. Und es wurde immer schlimmer. Zudem gesellte sich noch eine weitere Qual hinzu: Ihre Mägen verkrampften sich schmerzhaft.
Verzweifelt suchten sie nach einem Weg, sich mit den anderen zu verständigen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Keiner konnte sprechen, geschweige denn schreiben. Das Schreiben war schon lange vor dem Sprechen verschwunden. Vorsichtig begannen sie, sich gegenseitig anzustupsen, um irgendeine Reaktion hervorzurufen. Es wurde ihnen jedoch klar, dass die anderen sich in derselben misslichen Lage befanden: hilf- und wortlos.
Ihnen wurde immer elender. Irgendetwas musste geschehen. Endlich nahm einer allen Mut zusammen und machte den Anfang. Er deutete erst auf seinen Mund und dann auf seinen Bauch. Mit viel Anstrengung gelang es ihm, einen Laut herauszupressen. Es war erst ein leises, leicht gewürgtes, dann ein deutlich hörbares „Uaaah!“. Zuerst erschraken die anderen vor dem Geräusch. Dann stimmten sie alle ein: „Uaaah! Uahhhh! Uaaaaah!“ hallte es im ganzen Raum.
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Ich bin von Haus aus neugierig und technikaffin. Deswegen habe ich mich schon sehr früh mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Einfach um zu schauen, was sie alles kann. Anfangs hielt ich sie nur für eine nette Spielerei. Doch dann kam aus meinem Texterumfeld erstmals die These, dass die schlechte Auftragslage der KI geschuldet sei. Zu dieser Zeit hatte ich aber noch keinen Einbruch, weswegen ich die Bedenken einfach wegwischte.
Die KI wurde jedoch immer präsenter. Ich beschloss darum, mir ein besseres Bild davon zu machen, wie mit Künstlicher Intelligenz generierte Texte aussehen. Der erste Eindruck war ein Schock: Oh mein Gott, jetzt bin ich überflüssig! Als ich aber genauer hinsah, bemerkte ich viele Schwächen. Die Formulierungen waren noch reichlich holprig und der Text kein bisschen originell.
Trotzdem begann ich, mich intensiver mit der Materie auseinanderzusetzen. Schließlich musste ich argumentieren können, warum ich immer noch mein Geld wert bin. Beim Rumprobieren stellte ich fest, dass ChatGPT gar nicht so schlecht war für Texte, die nicht viel Kreativität und/oder Wissen erfordern. Also fing ich an, damit zu arbeiten. Allerdings nur zum Erstellen von Gerüsten. Das eigentliche Schreiben übernahm ich immer noch selbst.
Zu diesem Zeitpunkt verwehrten sich die meisten Texter noch komplett gegen ChatGPT & Co. Mir war aber schon lange klar, dass es sinnlos ist, gegen die Technologie anzukämpfen. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Ob uns das gefällt oder nicht. Wer heute noch meint, er müsse sich damit gar nicht beschäftigen, wird über kurz oder lang untergehen.
Immer mehr Unternehmen integrieren die neue Technologie. Was zusammen mit einer schlechten wirtschaftlichen Lage eine brisante Mischung ergibt. Warum sollte man noch Textaufträge vergeben, wenn man doch alles selbst per Knopfdruck in Sekunden erledigen kann? Dass die Qualität bis heute nicht auf menschlichem Niveau ist, scheinen viele nicht zu merken – oder es stört sie nicht.
Das Internet wird geflutet von mittelmäßigen bis schlechten Texten. Auf einmal kann jeder „schreiben“ – speziell auf Social-Media-Plattformen wie LinkedIn. Ist doch egal, ob die Beiträge völlig belanglos und generisch sind, Hauptsache Masse. Die Leute recyceln eigene Beiträge oder klauen sie gleich komplett von jemand anderem. Die Künstliche Intelligenz übernimmt sogar das Kommentieren – genauso belanglos und generisch. Völlig absurd: KI-Beiträge, die von KI kommentiert werden. Menschliche Interaktion gleich Null.
Längst geht es nicht mehr nur um Texte, sondern auch um Grafiken, Fotos und Filme. Jeder Depp mit einem Internetzugang kann Content raushauen ohne Ende. Ob dabei Urheberrechte verletzt werden, interessiert keinen. Schnell, bunt und billig muss es sein. Was dabei herauskommt? Zum Beispiel Werbespots, die zum Gähnen langweilig sind und keine Aussage haben. Schon 3 Sekunden später hat man vergessen, welches Produkt eigentlich beworben wurde. Irgendein Bier, irgendein Auto oder war es doch etwas anderes?
Doch zurück zum Texten mit KI: Dass die Qualität viel besser geworden ist, sofern man vernünftig zu prompten versteht, wird keiner bestreiten. Ich spiele gerne Ping-Pong mit ihr: Sie bekommt von mir einen Text, sie macht mir Verbesserungsvorschläge. Dann überarbeite ich den Text noch einmal und das Spielchen geht von vorne los – bis ein richtig gutes Ergebnis dabei herauskommt.
Brauche ich dafür weniger Zeit, als wenn ich ohne Hilfsmittel gearbeitet hätte? Nein. Manchmal dauert es sogar deutlich länger. Doch zum Schluss habe ich einen Text, der genau auf den Punkt ist. Dass diese Leistung nicht weniger kosten kann als früher, versteht sich von selbst. Im Endeffekt bekommt der Kunde für das gleiche Geld etwas Besseres.
Was man aber tunlichst vermeiden sollte: sich auf KI-Recherche verlassen oder Texte 1 zu 1 übernehmen. Es ist vertrackt: Manchmal stellt man erst mit einem Tag Abstand fest, dass das Generierte zwar gut klingt, aber ein totaler Schwachsinn ist. Darum würde ich auch nie rohe Gedanken reinwerfen, um sie mir ausformulieren zu lassen. Das kann mächtig in die Hose gehen.
Auch wenn es um die Eigendarstellung geht, sollte man die Finger von der KI lassen. Sie killt jeden Aspekt der Persönlichkeit. Man erkennt sich im eigenen Text nicht mehr wieder. Seinen Stil sollte man unbedingt weiterpflegen. Ich habe sogar begonnen, wieder Tagebuch zu schreiben, damit ich das freie Schreiben nicht verlerne. Auch dieser Artikel stammt ausschließlich aus meiner Feder. Ebenso wie alle Beiträge auf LinkedIn et al.
Ich bin hin- und hergerissen. Sie kann eine tolle Unterstützung sein. Aber sie geht über Leichen und beraubt uns unserer Fähigkeiten. Die nächste Generation wird diese gar nicht erst erwerben. Das kann einem echt Angst machen. Nein, die KI wird nicht die Welt beherrschen oder ähnlichen Quatsch. Doch es wird immer mehr Menschen geben, die ihr blind vertrauen und ohne sie rein gar nichts mehr tun können.
Ich nutze die Tools, aber nicht so exzessiv, dass ich davon verblöde. DeepL Translate übersetzt für mich, DeepL Write korrigiert und schlägt mir Synonyme vor. ChatGPT ist mein Allrounder, der einfach alles kann, aber in manchen Bereichen von anderen getoppt wird. Claude ist mein Liebling, wenn es ums Schreiben geht. Antworten auf etwas komplexere Fragen liefert mir Perplexity. Die Liste wird vermutlich noch länger werden.
Viele freie Texter aus meinem Bekanntenkreis sind am Verzweifeln oder haben bereits aufgegeben: Sie sind Privatiers, haben einen Nebenjob oder eine Vollzeit-Festanstellung. Zum Glück vereine ich das Beste aus zwei Welten: einen Wissensvorsprung in Sachen KI und zugleich mein über Jahrzehnte erworbenes Können als „echte“ Texterin. Ich hoffe, dass diese Kombination mir auch weiterhin Aufträge beschert. Wir werden sehen …
Foto von Sian Labay auf Unsplash

Heute bekommst du, mein lieber Blog, mal wieder einen eigenen Beitrag. Vielleicht liest dich kein Mensch, aber das ist mir egal. Du bist der Ort, an dem ich wirklich so schreiben kann, wie ich denke.
Naja, vielleicht nicht ganz. Aber weil ich mich damals gegen eine Kommentarfunktion entschieden habe, kann hier niemand schreiben, dass er dich scheiße findet. Komplimente bekommst du zwar auch keine – doch hast du das wirklich nötig? Wir haben doch uns beide und wir wissen, was wir aneinander haben.
Es tut mir leid, dass ich dich so furchtbar vernachlässigt habe. Wo doch die Social-Media-Welt so unglaublich kurzlebig ist. Heute gepostet, morgen vergessen. Bei dir ist das ganz anders. Du bist hier für die Ewigkeit!
Und weißt du was? Sollte ich es irgendwann einmal schaffen, eine neue Website auf die Beine zu stellen, werde ich dich mitnehmen. Ich befülle dich jetzt schon seit über einem Jahrzehnt. Du bist voller Schätze, die nicht verlorengehen dürfen.
Das ein oder andere Thema mag nicht mehr aktuell sein. Ich habe sogar in manchen Dingen meine Meinung geändert. Aber das ist ja nichts Schlimmes. Man darf ruhig wissen, dass ich in der Lage bin umzudenken. Aus der damaligen Sicht bin ich 100 Prozent dahinter gestanden. Heute stehe ich genauso überzeugt zu einer anderen Meinung.
Mag sein, dass die zehn Jahre alten Beiträge sprachlich nicht so geschliffen sind wie die heutigen. Doch das zeugt ja nur davon, dass ich mich weiterentwickle. Dass wir beide uns weiterentwickeln. Denn ohne dich, mein lieber Blog, wären meine Artikel ja gar nicht existent.
Ich bin der Ansicht, dass man sich nichts vornehmen sollte. Also zumindest nicht dauerhaft. Aber ich fände es großartig, wenn wir wieder mehr Zeit miteinander verbringen würden, du und ich. Wir haben so viele schöne gemeinsame Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann. Außer vielleicht unser Hosting Provider.
Du darfst dich ruhig mal wieder bei mir melden. Mach mir ein schlechtes Gewissen, damit ich dich wieder so gut pflege wie früher.
Ich hab dich sehr lieb!
Deine Sandra
PS: Für das Bild danke ich Aung Soe Min auf Unsplash

Der Grund, warum auf meinem Blog (und auf Facebook) gerade so wenig passiert, heißt LinkedIn. Meine Social-Media-Hassliebe nimmt mich einfach zu sehr in Anspruch. Jeden Tag schaue ich mehrmals rein, um zu lesen, zu liken und zu kommentieren – und hie und da selbst zu posten. Das Dumme daran: Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht alles reine Zeitverschwendung ist. Zumindest unter dem Aspekt, um den es eigentlich geht: der Akquise.
Auf LinkedIn wimmelt es nur so von Menschen, die ihren (vermeintlichen) Erfolg (angeblich) dieser Plattform verdanken. Und die nicht müde werden, davon zu erzählen, wie sie es geschafft haben. Man muss ja nur dieses beachten und jenes (nicht) tun und schon fliegen einem die Kunden nur so zu. Allerdings posten diese Leute so viel, dass ich mich frage: Wann arbeitet ihr eigentlich?
Einen gut durchdachten und formulierten Beitrag haut man ja nicht eben mal so raus. Die meisten Posts mögen diesem Anspruch zwar nicht genügen, aber auch ein schlechter Beitrag braucht seine Zeit – es sei denn, er ist geklaut oder von der KI produziert. Leider scheint das mittlerweile recht häufig der Fall zu sein. Ganz grotesk wird es, wenn die Beiträge der KI auch noch von der KI kommentiert werden. Dann entstehen Konversationen, an denen kein Mensch mehr beteiligt ist. Ich habe keine Angst vor KI, aber diese Vorstellung ist gruselig.
Ich glaube nicht, dass ich durch LinkedIn auch nur einen einzigen Kunden gewonnen habe. Natürlich kann man mir vorwerfen, dass ich es nicht konsequent genug durchgezogen habe. Doch sobald die Auftragslage stimmt, haben solche Spielereien eben keine Priorität. Wer täglich neue Beiträge verfasst, könnte sich im Grunde gleich das „Open to work“-Badge anstecken – das wäre ehrlicher.
Warum machen trotzdem so viele mit? Meine Erklärung: Jeder liest, wie effektiv LinkedIn angeblich ist, und glaubt, er müsse auch auf den Zug aufspringen. Bleibt der Erfolg aus, erhöht man die Schlagzahl, testet neue Formate und Strategien – doch das Ergebnis bleibt gleich (außer, man misst Erfolg an Reaktionen und Kommentaren). Aber hey, wenn es bei den anderen klappt und bei mir nicht, muss ich mich eben mehr reinhängen! Und so wird munter weiter gepostet, bis der Feed aus allen Nähten platzt.
Vielleicht ist es wie mit des Kaisers neuen Kleidern: Jeder weiß, dass LinkedIn-Akquise nichts bringt. Aber keiner traut sich, es zu sagen.
Aber LinkedIn hat durchaus seine gute Seiten. Ich bin hier mit vielen großartigen Kollegen vernetzt, mit denen ich mich unheimlich gerne austausche. Das sind und werden zwar keine Kunden, aber ihre Posts haben informativen oder Unterhaltungswert. Außer, wenn die Kollegen krampfhaft versuchen, mit ihren Beiträgen Akquise zu betreiben. Am liebsten sind mir meine britischen Pendants, die Sachen raushauen, die sich hier keiner trauen würde. Von bizarr bis rotzfrech – aber immer charmant und witzig. Was leider zeigt, dass diese genialen Kreativ-Talente aktuell keine Jobs haben. What a waste!
PS: Für das Bild bedanke ich mich bei Cathy Mü auf Unsplash

Erst ist man schockstarr, dann treibt es einem die Schamesröte ins Gesicht, dann versinkt man im Boden. Die Ursache: Ein Fehler im eigenen Text. Wie kann das sein? Ich habe das doch fünfmal durchgelesen, mindestens! Aber da steht er, unübersehbar, der Beweis des eigenen Versagens.
Was in digitalen Medien ein Ärgernis ist, ist im Print-Bereich eine Katastrophe. Als ich anfing zu texten, wurde alles noch gedruckt. Da konnte man nichts schnell korrigieren. Der Fehler stand für immer und ewig da.
Mein persönlicher Tiefpunkt: Ein Druckfehler in der Traueranzeige meiner Mutter. Meine Textvorlage war zwar richtig gewesen, aber das machte die Schmach nicht weniger bitter. Die Druckerei hatte mir vorab einen streifigen Korrekturabzug gefaxt. Ich hätte den Fehler trotzdem sehen müssen!
Was ich damit sagen will? Selbst wenn einem ein Text noch so wahnsinnig wichtig ist, können einem Fehler passieren. Davor ist keiner gefeit.
Das Gute: Mindestens 90 % der Leser werden den Fehler überhaupt nicht sehen. Weil sie ihn entweder im Kopf automatisch korrigieren oder gar nicht wissen, dass etwas falsch ist. Damit will ich keinesfalls zur Schludrigkeit ermuntern. Gebt immer 100 %, um einen korrekten Text abzuliefern. Aber geißelt euch nicht, wenn euch doch einmal ein Fehler unterläuft.
Meine Empfehlung: Holt euch bei Print-Projekten noch einen Lektor mit ins Boot. Nach dem fünften Mal durchlesen seid ihr betriebsblind. Und Lektoren erkennen auch Fehler, von denen selbst ihr nicht einmal wusstet, dass es welche sind.